Christopher „Jimmy“ Antwi-Adjei lebt seinen Traum als Profi

 

Vom Spätstarter zum Überflieger: Christopher „Jimmy“ Antwi-Adjei gehört bei den Paderbornern längst zum Stammpersonal in der dritten Liga. Der dribbelstarke Angreifer spielte zwei Jahre für die TSG Sprockhövel. Nun wirbelt er für den Drittliga-Tabellenführer SC Paderborn 07.

Christopher „Jimmy“ Antwi-Adjej hat einen raktenhaften Aufstieg hinter sich: Nach dem Abstieg mit der TSG Sprockhövel aus der Regionalliga wechselte der gebürtige Hagener im Sommer zum Drittligaabsteiger SC Paderborn 07 – der danach als Aufrücker doch in der dritten Liga blieb. Er stand in zwölf von 14 Meisterschaftsspielen auf dem Platz, traf im Pokal gegen St. Pauli. Zwischen dem Westfalenpokalspiel in Herford am Dienstag und der Partie gegen den VfL Osnabrück beantwortete Antwi-Adjei die Fragen von WAZ-Redakteur Philipp Ziser.

Herzlichen Glückwunsch zum Einzug in die nächste Westfalenpokalrunde. In Herford kamen viele Spieler zum Einsatz, die zuletzt wenig gespielt haben – Sie dagegen standen gar nicht im Kader. Ist das ein Kompliment vom Trainer?

Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme: Ich hatte einfach muskuläre Probleme und war deshalb nicht mit von der Partie.

Dabei sind die Pokale ja genau Ihr Wettbewerb: Sechs Tore in sieben Westfalenpokalspielen, ein Tor im DFB-Pokal gegen St. Pauli, eine Vorlage gegen den VfL Bochum. Sind das besondere Spiele für Sie?

Nein, eigentlich nicht. Im Moment ist jedes Spiel für mich besonders. Ich bin froh, dass ich die Chance habe, als Fußballprofi zu spielen. Und wenn man dann gegen Gegner wie St. Pauli ein Tor macht oder gewinnt, dann freut mich das für die Mannschaft und ich freue mich natürlich auch.

Der Weg dorthin hat für Sie gedauert: Nach dem ersten Seniorenjahr sind Sie 2014 von Westfalia Herne zur TSG Sprockhövel gewechselt, von einem Oberliga-Abstiegskandidaten zum anderen. Haben Sie damals den Profifußball fest im Blick gehabt, daran geglaubt es zu schaffen?

Ich habe den Traum nicht aufgegeben. Ich habe immer gesagt: Ich will so hoch spielen, wie es geht. Ich fand, die Regionalliga war ein guter Anfang. Und dass ich jetzt nach einer Saison in der Regionalliga in der 3. Liga spielen darf, das ist schon die Krönung.

Wie haben Sie sich seitdem entwickelt? In den ersten beiden Seniorenjahren standen je vier Saisontore – dann plötzlich 15. Was hat sich da mit Anfang zwanzig geändert?

Dazu kann ich gar nichts Groß­artiges sagen. Ich habe einfach ­großen Spaß am Fußball. Es war aber so, dass ich in den ersten ­beiden Seniorenjahren öfter verletzt war. Deshalb hatte ich ­Probleme, konstant meine Leistung zu bringen. Das wurde dann im ­dritten Jahr besser und dafür werde ich jetzt belohnt und ich bin ­glücklich darüber, dass ich jetzt hier bin.

Zwei Trainer hatten einen großen Einfluss: Pietro Perrone in Dortmund und Herne und Andrius Balaika in Sprockhövel. Wie haben die Sie beeinflusst?

Bei Pietro habe ich vieles gelernt. Das war das Alter, wo man sich taktisch entwickelt. Und Andrius Balaika hat mir genau wie Pietro auch immer das Vertrauen gegeben und ich habe versucht, das zurückzuzahlen. Unter dem Strich sind es beides super Trainer.

Wie eng ist noch der Kontakt?

Mit Pietro habe ich kurz vor und nach dem Pokalspiel gegen Bochum gesprochen. Man sollte nie vergessen, wo man herkommt.

Im Frühjahr standen Sie mit Sprockhövel im Westfalenpokal-Halbfinale – in Paderborn haben Sie 1:2 nach Verlängerung verloren. Hat das Spiel bei Ihrer Verpflichtung eine Rolle gespielt?

Auf jeden Fall. Durch das Spiel ist der SC Paderborn, beziehungsweise Markus Krösche, auf mich aufmerksam geworden. Das Spiel war ein bisschen der Dosenöffner für mich. Und wenn man dann den Anruf kriegt von so einem Verein, da muss man nicht lang überlegen.

Zur Zeit des Wechsels sah es so aus, als würde Paderborn in der Regionalliga spielen. Nach dem Lizenzentzug von 1860 München ging es in die Dritte Liga. Wie groß war der Leistungssprung vom Regionalliga-Letzten zum Drittliga-Tabellenführer?

Schon sehr groß, ich habe mich komplett umgestellt. Vorher war ich morgens und mittags in der Uni und hatte dann abends Training. Jetzt habe ich meist morgens und nachmittags Training, manchmal zweimal am Tag. Das ist für mich schon eine große Umstellung. Jetzt bin ich im Vollprofitum und das muss man auch so leben.

Haben Sie sich Sorgen gemacht, den Sprung nicht zu schaffen, als Paderborn in die Dritte Liga aufgerückt ist?

Paderborns sportlicher Abstieg stand ja fest und ich habe damit gerechnet, in der Regionalliga zu spielen. Dann kam die Sache mit TSV 1860 München und da habe ich dann schon eine kleine Chance gewittert. Dass es am Ende mit der dritten Liga geklappt hat, zeigt, dass wir sehr viel Glück hatten. Diese Chance müssen wir jetzt einfach nutzen und uns von unserer besten Seite zeigen.

Sie sind mit 23 Jahren Profifußballer geworden – viele schaffen das als 18- oder 19-Jährige. Sehen Sie sich da als Spätstarter?

Es stimmt, dass viele mit 17oder 18 Jahren Profi werden, bei mir hat es eben etwas gedauert. Das zeigt aber auch: Egal wie alt man ist, sollte man an sich glauben, im Fußball kann es so schnell gehen. Es geht schnell nach oben, aber es geht auch ganz schnell wieder nach unten. Deswegen genieße ich einfach den Moment und hoffe, dass das lange anhält.

Gab es nie einen Moment, wo Sie die Hoffnung ganz abgeschrieben hatten, wo Sie gedacht haben: „Mit 22 in der Oberliga, ich schaffe es wohl nicht mehr.“

Den Gedanken hatte ich noch nie. Dazu bin ich zu ehrgeizig.

Jetzt sind Sie mit Paderborn Tabellenerster, schon mit einigen Punkten Vorsprung. Haben Sie das so erwartet?

Dass es so läuft, natürlich nicht. Wir haben einige Qualität im Kader und wussten, dass wir eine gute Rolle spielen können, wenn alles passt. Dass es dann so läuft wie jetzt, haben aber auch nicht viele so erwartet. Wir versuchen jetzt einfach, so weiterzumachen, die Saison ist ja noch lang.

Ist das mit der Situation von vor zwei Jahren in Sprockhövel vergleichbar, als die TSG als Abstiegskandidat an die Tabellenspitze der Oberliga gestürmt ist?

Wir wollen jetzt erst einmal die Halbserie beenden und ordentlich punkten und schauen wo wir am Ende stehen. Aber ja, es gibt schon einige Parallelen. In Sprockhövel waren wir damals eine ganz junge Truppe und keiner hat damit gerechnet, dass wir am Ende überhaupt in der oberen Hälfte stehen, am Ende haben wir das doch geschafft. Jetzt ist die Mannschaft nicht ganz so jung, aber auf jeden Fall eine gesunde Mischung. Und bisher läuft es so wie damals.

In der Saison sind Sie mit der TSG Sprockhövel in die Regionalliga aufgestiegen. Was ist Ihr Ziel in dieser Saison?

Im Pokal wollen wir einfach so weit kommen wie möglich. Ich denke, da haben wir bisher eine ganz gute Figur abgegeben. Wir versuchen, uns von Spiel zu Spiel füreinander aufzuopfern und dann schauen wir, wie weit es geht. In der Liga haben wir auf jeden Fall eine starke Truppe und unser Ziel ist, so viele Punkte zu sammeln wie möglich.

Würden Sie sich im Aufstiegsfall auch den Sprung noch eine Liga höher zutrauen?

Falls es dazu kommt, würde ich den Weg natürlich mitgehen. Die Mannschaft macht es auch leicht, dass man mithalten kann. Ich traue mir das schon zu, so selbstbewusst bin ich. Es wäre schön, aber ich denke da jetzt noch nicht dran.

Philipp Ziser

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