Mit dem 0:0 ist der Oberligist am Ende mehr als gut bedient. Sprockhövels Schwächen werden von den starken Sportfreunden aufgedeckt.

So hat man Andrius Balaika lange nicht gesehen. Energisch und kommunikativ an der Seitenlinie kennt man den Trainer der TSG Sprockhövel. Beim Test gegen Niederwenigern sitzt er allerdings schon zwanzig Minuten vor Spielende fast regungslos auf der Auswechselbank. Resigniert. Der Auftritt der TSG ist eine einzige Enttäuschung.

Ein paar Meter weiter steht das SFN-Trainergespann Margref und Kraushaar, auch die beiden schütteln die Köpfe. „Nummer zehn“, zählt Jürgen Margref fassungslos – und meint den zehnten guten Konter, den seine Mannschaft schlecht ausspielt oder nicht verwandelt. Symptomatisch: Die 90. Minute.
Sportfreunde vergeben viel zu viele Chancen

Maximal unzufrieden: TSG-Sprockhövel-Trainer Andrius Balaika.

Marc Gotzeina schickt Florian Machtemes perfekt in die Tiefe – der Stürmer umkurvt Torwart Möllerke, kommt aber aus dem Tritt und schießt den nachgelaufenen Blerton Muharremi auf der Linie an.

Dann ist Schluss, der Städtevergleich zwischen Sprockhövel und Hattingen endet 0:0. Die Sportfreunde sind aber klar Punktsieger.

Balaika tobt: „Wir schlafen noch!“

„Das ist der Tiefpunkt der Vorbereitung“, sagt Andrius Balaika nach Abpfiff. Er weiß, dass seine Mannschaft einer Blamage entgangen ist. „Wenn Niederwenigern etwas cleverer vor dem Tor gewesen wäre, hätten sie uns einige Tore eingeschenkt. Das war gar nichts – spielerisch, taktisch, läuferisch, kämpferisch“, versuchte er gar nicht, die Leistung seiner Mannschaft schönzureden.

Das Spiel hatte genauso begonnen wie es später aufhörte. Innerhalb der ersten drei Minuten hatten die Sportfreunde musste TSG-Torwart Mauritz Mißner gleich zweimal halsbrecherisch im Eins-gegen-eins gegen Frederick Gipper (1.) und Dave Moreno (3.) klären. „Wir schlafen noch!“, tobte Balaika – viel besser wurde es aber nicht.

Erste Minute, erste Chance: Fredrick Gipper steht schon nach 50 Sekunden frei vor dem Sprockhöveler Tor, der herausstürmende Mauritz Mißner pariert. Er war der einzige Sprockhöveler, der positiv auffallen konnte.

Es schien, als seien die Sprockhöveler geschockt vom mutigen Auftritt des Landesligisten. Niederwenigern beeindruckte körperlich und spielerisch und war in diesem Test vom Einsatz her auf jeden Fall im Pflichtspielmodus, teilweise war das Spiel hektisch und nickelig.

Sprockhövel hat Niederwenigerns Kontern nichts entgegenzusetzen

Die Sportfreunde probten für den Ernstfall am kommenden Sonntag in Wesel. Sie überließen Sprockhövel den Ball – die Blauen wussten damit wenig anzufangen. Sobald ein Ball in die Schnittstelle, mit Risiko, mit Tempo kam, war er weg oder mindestens das Tempo raus. Unsauberkeiten und Nachlässigkeiten prägten das TSG-Spiel. Anders die Sportfreunde.

Die deckten mit schönen Direktpasskombinationen die Geschwindigkeitsmängel der Sprockhöveler Defensive gnadenlos auf, schalteten rasant um – um dann aber die schönsten Gegenstöße, auch in Überzahl, zu verstolpern, beste Chancen zu vergeben. Die beste: Nach einem Ausflug von Torwart Sven Möllerke musste Tim Oberdorf auf der Linie gegen den Schuss von Steffen Köfler retten (48.).

Claus-Comeback als kleiner Lichtblick

In der gesamten zweiten Hälfte war das 0:1 zum Greifen nahe – mit etwas mehr Ruhe und Cleverness hätten die Sportfreunde der TSG eine Packung verpasst. Sprockhövels Abwehr war zu langsam, zu träge, zu behäbig. Die Offensive machte es nicht besser, brachte über 90 Minuten keinen Schuss aufs Tor zustande. Ein kleiner Lichtblick war das 30-Minuten-Comeback von Max Claus, der mit zwei abgefälschten Schüssen in den Schlussminuten mehr zustande brachte als seine Kollegen zusammen. Keine Kunst, allerdings.

Für die TSG war der Test eine bittere Enttäuschung, auch die Sportfreunde haben bis zum Punktspielstart in Wesel noch an sich zu arbeiten. Trainer Jürgen Margref meinte: „Ein guter Test. Wir haben uns viel bewegt und richtig gut umgeschaltet. Natürlich müssen wir die Chancen viel besser nutzen – die Tore machen wir nächste Woche.“

TSG Sprockhövel – Spfr. Niederwenigern 0:0

TSG: Mißner (46. Möllerke) – Gremme (46. Postolli), Oberdorf, Tchakoumi (63. Dudda), Muharremi – Ramaj (37. Bukowski), Terzicik, Wasilewski, Buceto – Federico, Kadiu (63. Claus).

SFN: Golz (76. Wieczorek) – Kuhlmann (63. Herzog), Feldmann, Stahl, Beyer (76. Schräer) – N. Lümmer, F. Lümmer (76. Luca Margref), Köfler, Gipper (15. Ouahaalou) – Machtemes, Moreno (63. Gotzeina).

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